Man kennt das Zeichen als Rüssel-A, Affenschwänzchen, Affenohr, Spinnenaffe. Die Chinesen sprechen vom Mäuschen, die Griechen vom Entchen, die Israelis vom Strudel. Auch die Begriffe Kätzchen, Hündchen, Schnecke, Zimtrolle und Rundkeks sind gebräuchlich.
Die heutige Bekanntheit verdankt das @ dem amerikanischen Computerfreak Ray Tomlinson. Dieser arbeitete 1971 als Techniker bei der Firma BBN in Cambridge bei Boston. Das Forschungsunternehmen hatte vom US-Verteidigungsministerium den Auftrag, das Arpanet – Vorgänger des Internets – aufzubauen.
24 vernetzte Computer gab es damals. Einer davon stand bei Tomlinson, ein anderer im nächsten Zimmer. Wenn schon vernetzt, mag sich Ray gedacht haben, dann könnte man doch auch ein wenig Spaß haben und Mitteilungen an die anderen Jungs schicken. Eine Spielerei, wird er später sagen, die nichts mit seiner Arbeit zu tun hatte.
Nun musste noch ein unverwechselbares Trennzeichen gefunden werden, um es zwischen Empfängername und Computer zu setzen. Ray suchte nach etwas, das nicht zum üblichen Alphabet gehört. Er stieß auf das @. Es befand sich nämlich auf seiner Tastatur. Die erste Internetadresse der Geschichte lautete: tomlinson@bbntenexa.
Aber woher stammt eigentlich das @ auf seiner Tastatur? So ganz genau weiß man das heute nicht mehr. Fest steht, dass es im 16. Jahrhundert Kaufleute am Mittelmeer als Gewichtsmaß benutzten: Ein @, ein "arroub", waren etwa zehn Kilogramm. In der Renaissance bekam das @ eine weitere Bedeutung – als Abkürzung für „zu“. Auf Märkten gab es „Hühner@10 Pence“, eine Schreibweise, die sich in den USA und England bis heute erhalten hat.
Nach der industriellen Revolution wurde das @ in der Buchhaltung populär – was erklärt, warum es sich auf Ray Tomlinsons Tastatur fand.
Reich ist er mit seiner Erfindung übrigens nicht geworden. Für die Allgemeinheit ist das ein großes Glück – wir müssten sonst wohl jedes Mal Porto zahlen, wenn wir E-Mails verschicken.
Sommer ist Eiszeit. Stracciatella, Vanille, Schokolade, Zitrone, Haselnuss, Pistazie, Joghurt, Erdbeere, Malaga und Walnuss – das sind die beliebtesten Eissorten der Österreicher. Wer aber hat das Speiseeis erfunden und was hat die „Eiserne Lady“ Margaret Thatcher damit zu tun?
Das erste Speiseeis gab es vermutlich schon 3.000 vor Christus in China, dem Sorbet ähnelndes Speiseeis war aber auch in der europäischen Antike bekannt, Griechen und Römer erfreuten sich daran. Der griechische Dichter Simonides von Keos beschreibt eine Speise aus Gletscherschnee mit Zutaten wie Früchten, Honig oder Rosenwasser. Alexander der Große und Hippokrates hatten eine Vorliebe für Wassereis, die römischen Kaiser ließen sich durch Schnellläufer Schnee und Eis von den Apenninen zur Herstellung bringen.
Speiseeis aus Wasser und Fruchtsaft oder -püree wurde zu einer italienischen Spezialität, die sich über ganz Europa ausbreitete. Ein deutschsprachiges Kochbuch von Anna Wecker mit dem Titel „Ein köstlich new Kochbuch von allerhand Speisen, das 1597 in Amberg erschien, enthielt ein Rezept für eisgekühlten Milchrahm. Und das erste französische Café, das auch Speiseeis anbot, eröffnete der Italiener Franceso Procopio di Cultelli 1686 in Paris.
Das Eis zum Mitnehmen geht offenbar auf italienische Immigranten in Großbritannien zurück, die dort in den Großstädten ab etwa 1870 auf den Straßen Eiscreme an kleinen fahrbaren Ständen verkauften. Sie wurden bald „Hokey-pokey men“ genannt, was auf den italienischen Satz „Gelati, ecco un poco“ („hier ein bisschen Eis“) zurückgehen dürfte. Das erste Eis am Stiel wurde 1923 vom amerikanischen Limonadenhersteller Frank Epperson patentiert. Erfunden hatte er es nach eigenen Angaben aber bereits zufällig im Jahr 1905, als er ein Glas Limonade mit Löffel versehentlich im Freien stehen ließ und die Limonade über Nacht gefror. In Deutschland begann die industrielle Herstellung von Speiseeis erst Mitte der 1930er Jahre mit den Firmen Langnese und Schöller.
Und wo liegt der Beitrag der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher? Sie studierte am Somerville College in Oxford Chemie und war Mitglied des Entwicklungsteams, das angeblich 1948 das Softeis erfand. Die Bezeichnung Softeis soll sogar ihre Idee gewesen sein.
Süßstoffe, Polyisobutylen, Aluminiumoxid, Aromen und Säuren sind die Grundstoffe eines Kaugummis. Macht ihn das so beliebt? Immerhin kaut jeder Österreicher jährlich etwa 100 Stück. Wer hat den Kaugummi eigentlich erfunden und wann kamen die Österreicher auf den Geschmack?.
Für viele Österreicher ist er zum Inbegriff amerikanischer Unkultur in der Besatzungszeit geworden: der amerikanische Soldat, den Kaugummi lässig im Mundwinkel und die Hände im Hosensack. Im Marschgepäck eines amerikanischen Soldaten war neben Coca Cola immer ein Päckchen „chewing gum“.
Mit den Amerikanern hielt der Kaugummi auch bei uns Einzug und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass 1946 der erste Kaugummi in Österreich produziert wurde, natürlich in der amerikanischen Besatzungszone, in Salzburg.
Wer den Kaugummi wirklich erfunden hat ist schwer zu sagen. Eines ist jedoch sicher, das Kauen ist eine sehr alte Sitte (oder Unsitte). Den bislang ältesten Kaugummi der Welt fanden Archäologen bei Ausgrabungen einer 9.000 Jahre alten Siedlung in Südschweden, er bestand aus einem Stück Birkenpech. Die ersten kommerziellen Versuche gehen auf folgende "Pioniere" zurück: Der Seemann John Curtis Jackson, der 1848 nach einem nordamerikanisch-indianischen Rezept Fichtenharz mit Bienenwachs vermengte, der New Yorker Fotograf Thomas Adams, der 1870 den „Black Jack“, einen Kaugummi mit Lakrizgeschmack, zum Erfolgsschlager machte, oder der Vertreter William Wrigley Jr.
William Wrigley Jr. kam im Frühjahr 1891 nach Chicago. Er war 29 Jahre alt, hatte nur 32 Dollar in der Tasche und verkaufte Seife für die Firma seines Vaters – nicht gerade ein viel versprechender Start. Wrigley jedoch hatte eine Idee. Wenn man den Kunden doch ein kleines Gratispräsent machen würde, dann wären sie doch viel eher bereit, die Seife zu kaufen. Als kleinen Bonus schenkte er seinen Kunden Backpulver. Klingt nicht besonders aufregend, kam aber bei den Kunden besser an als die Seife selbst. Wrigley, stets flexibel, stieg 1892 daher kurzerhand auf Backpulver um. Als Gratisgeschenk legte er zu jeder Packung Backpulver zwei Packerln Kaugummi. Und wieder einmal wurde das Präsent erfolgreicher als das verkaufte Produkt. Wrigley machte folgerichtig den Schwenk auf Kaugummis. Zu der Zeit gab es zwar etwa zwölf Hersteller in den USA, aber der Markt war unterentwickelt. Wrigley's erste Marken hiessen Lotta und Vassar. Die bekannten Juicy Fruit und Spearmint folgten 1893.
Übrigens, noch etwas können die Amerikaner besonders gut. So hält die Kalifornierin Susan Montgomery den offiziellen Rekord für die größte Kaugummiblase der Welt. Ihr gelang es, mit nur drei Kaugummis eine Blase in der Größe von 58,4 Zentimetern zu formen.
Der Schuhmacherlehrling Ulrich Huber aus Wien ist der glückliche Gewinner der Lotto-Ziehung vom 21. November. Allerdings blieb ihm der Wunschtraum, einen Doppel- oder Dreifach-Jackpot zu knacken ebenso verwehrt, wie den meisten Lotto-Spielern, die Woche für Woche die Ziehung im Fernsehen verfolgen.
Ulrich Huber war es schlichtweg unmöglich, einen solchen Jackpot zu knacken, handelte es sich doch um die erste Lotto-Ziehung in Österreich. Es war im Jahr 1752, am 21. November um 11 Uhr Vormittag, als am Wiener Augustinerplatz die erste Lotto-Ziehung stattfand. Graf Cataldi trat als Veranstalter auf und das Gewinnspiel nannte sich „Lotto di Genova“. Ein italienischer Name für ein österreichisches Gewinnspiel? Auf den ersten Blick ungewöhnlich, nicht so, wenn man auf die Wurzeln zurückblickt.
Diese liegen nämlich in Genua. Dort wurde im Jahr 1575 nach einem Staatsstreich die jährliche Wahl der Ratsmitglieder neu gestaltet. Man schrieb zu diesem Zweck neunzig Namen auf einen Zettel und zog verdeckt fünf aus diesen neunzig. Während der Wahl schlossen die Bürger private Wetten auf die Kandidaten ab und es entwickelte sich im Laufe der Jahre ein reger Wettbetrieb.
Die Namen wurden schließlich durch Zahlen ersetzt und so wurde „5 aus 90“ im Jahr 1643 erstmals von Benedetto Gentile als reines Glücksspiel angeboten.
Das Lottofieber griff schnell auf andere Staaten über und erlebte europaweit einen Siegeszug.
Da dieses einfache Geschäftsprinzip große Gewinne für den Veranstalter einbrachte, ging das Recht, Lotterien zu veranstalten, auf die jeweiligen Herrscher und Regierungen über.
In Österreich wurde unter der Regierung der Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1751 eine Lotterie mit 90 Nummern mit der amtlichen Bezeichnung „Lotto di Genova“ eingeführt und versteigert. Anfänglich fehlte es gänzlich an Bewerbern und es dauerte ein volles Jahr, bis schließlich Graf Cataldi das Privileg erwarb. Und so fand am 21. November 1752 in Wien die erste Lotto-Ziehung statt. Die Gewinnsumme von Ulrich Huber betrug 600 Dukaten.
Menschen aus der ganzen Welt sind Wolfgang A. Mozart für sein musikalisches Lebenswerk dankbar. Wenn wir nun in der kalten Jahreszeit ein Glas Punsch genießen, um Körper und Seele zu erwärmen, so dürfen wir auch dafür Mozart Danke sagen!
Nein, Wolfgang A. Mozart hat zwar über 600 Werke hinterlassen, den Punsch hat er aber nicht kreiert. Der Punsch ist eine indische Erfindung. Und doch wird Mozart in der Geschichte dieses heißen, klebrigen Getränkes erwähnt.
Wenn auch so mancher infolge übermäßigen Genusses durchaus den Eindruck gewinnen könnte, so hat Punsch trotz seiner berüchtigten Wirkung nichts mit „punch“, dem englischen Wort für Faustschlag zu tun. Es geht auf das indische „pantsch“ – im Deutschen soviel wie „fünf“ – zurück. Aus genauso vielen Zutaten besteht auch der traditionelle Punsch: Tee, Arrak, Zitronensaft, Zucker und Gewürz.
Die Ostindien-Kompanie der englischen Seefahrer lernte den Punsch in Indien kennen. Sie nannten das Getränk dann kurzerhand punch und brachten es bereits im 17. Jahrhundert mit in die Heimat. Die konservativen Tories, eine politische Gruppierung, die der englischen Monarchie wohl gesonnen war, kürte den Punsch schon bald zum neuen Lieblingsgetränk und er begann seinen Siegeszug durch ganz Europa.
Und was hat nun Wolfgang A. Mozart mit dem Punsch zu tun? Der Überlieferung nach war es Mozart, der das Getränk in England kennen und lieben lernte und so nach Österreich brachte.
Er kam mit seinem späteren Lieblingsgetränk bereits als Kind in Berührung. Während der Punsch in Salzburg und Wien noch völlig unbekannt war, machte Mozart bei seiner Englandreise im Jahr 1764 erstmals damit Bekanntschaft. Zwar weiß man nicht ob Leopold Mozart seinen achtjährigen Sohn davon kosten hat lassen, der Vater war aber so beeindruckt, dass er an einen Freund folgende Zeilen schrieb: „Punch wird Punsch ausgesprochen und ist ein Getränk von Wasser, Rhum, Zucker und Limonien gesotten. Wird warm oder kalt getruncken nach belieben. Punch und eine Pfeife Toback ist das englische Element“.
Zu Mozarts Zeit war Punsch ein ausgesprochenes Modegetränk, das in Kaffeehäusern ebenso getrunken wurde wie auf Bällen. Heute ist es die Vorweihnachtszeit, in der dieses angeblich wärmende Heißgetränk gerne genossen wird.
Einst verrucht, heute unverzichtbar. Stark betonte rote Lippen galten schon bei den alten Ägypterinnen als attraktiv – der erste Lippenstift kam aber erst 1883 auf den Markt. Die Inhaltsstoffe waren übrigens Rizinusöl, Hirschtalg und Bienenwachs!
Die Betonung von roten Lippen gab es schon vor Tausenden von Jahren. So fand man bei Ausgrabungen im heutigen Irak lippenstiftähnliche Salben, die angeblich aus dem Jahr 3500 v. Chr. stammen.
Im 14. Jahrhundert v. Chr. galt Nofretete als Meisterin der Schminkkünste, sie malte sich so wie viele andere Ägypterinnen die Lippen an. Die Farbe wurde damals in kleinen Döschen aufbewahrt und mit dem Finger oder einem Pinsel aufgetragen.
Die eigentliche Geburtsstunde des Lippenstiftes schlug am 1. Mai 1883. Parfümhersteller aus Paris stellten auf der Weltausstellung in Amsterdam einen in Seidenpapier gewickelten Stift vor. Dieser erste Lippenstift bestand aus gefärbtem Rizinusöl, Hirschtalg und Bienenwachs.
Die Erfindung war allerdings alles andere als erfolgreich, der Stift schmolz leicht und war zudem sehr teuer. Außerdem war das kleine Utensil schnell als anrüchig verrufen. Deswegen verwendeten ihn anfangs vor allem Tänzerinnen und Prostituierte.
In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts gelang dem Lippenstift mithilfe des Stummfilms der Durchbruch. Die Leinwandstars machten den Lippenstift endlich salonfähig. Da auf Zelluloid die Farbe Schwarz am besten wirkte, kam der fast schwarz geschminkte Mund in Mode.
Nach dem Zeiten Weltkrieg wurde der Lippenstift zu dem kosmetischen Accessoire schlechthin. Die Amerikaner entwickelten die praktische Dreh-Mechanik und brachten den Lippenstift nach Europa. Als Hildegard Knef in Deutschland für den „Volkslippenstift“ für 1,50 Mark warb, war der Lippenstift längst zum täglichen Gebrauchsgegenstand geworden.
Ob kussecht, knallig, glossy, schrill oder ganz dezent – bis heute ist der Lippenstift nach wie vor das beliebteste Beauty-Utensil. So benutzen ihn ca. 80 Prozent aller Frauen zumindest bei besonderen Gelegenheiten.
Wer hätte das gedacht? Bis vor kurzem drehte sich in der Finanzwelt noch alles um Futures, Derivate und Hedgefonds. Und nun raten Finanzexperten, Geld aufs Sparbuch zu legen. Das Sparbuch startet neu durch! Aber wie alt ist diese Sparform eigentlich?
Ich habe eines, mein Vater hat eines, mein Großvater hatte eines und mit Sicherheit hatten auch mein Urgroßvater und Ururgroßvater eines. Denn in Österreich gibt es diese Sparform schon seit dem Jahre 1819. Wie kam es dazu?
Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts ist gezeichnet von einer schwierigen sozialen Lage. Viele Bevölkerungskreise wurden von Armut erfasst. Einerseits hervorgerufen durch die Geldentwertung während der napoleonischen Kriege, andererseits durch die Choleraepidemie und die Freisetzung der Soldaten nach dem Kriege, verstärkte sich die große Zahl der Arbeitsuchenden. Nach wiederholten Missernten verarmten auch die Bauern. Handwerker, Kranke, Dienstboten und Behinderte aller Art lebten in oft unzumutbaren Verhältnissen. Eine zunehmende Kluft zwischen der breiten Bevölkerung und der Oberschicht tat sich auf.
Im Jahre 1817 beauftragte Kaiser Franz I. die zuständigen Behörden, entsprechende Vorschläge zu machen, wie man in Hinkunft auftretenden Notlagen der Bevölkerung besser entgegenwirken könnte.
Einer der Vorschläge war, die Gründung von Sparkassen voranzutreiben, über deren Wirken in England laufend in Zeitungen und Zeitschriften berichtet wurde. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland bereits 21, in der Schweiz 18 und in England sogar 285 Sparkassen.
Und so kommt es im Jahr 1819 zur Gründung der Ersten Österreichischen Spar-Casse in Wien-Leopoldstadt. Die gesamten Spareinlagen betrugen im ersten vollen Geschäftsjahr 65.000 Gulden bei insgesamt 2.500 Konten. Das entsprach einem Durchschnittsguthaben von 25 Gulden – umgerechnet 350 Euro – über die sich so manche Investmentbank heute wohl freuen würde.
Was 1946 als frivole Anspielung auf einen Atombombentest begann, schlägt manchmal heute noch an Badestränden wie eine Bombe ein. Die Rede ist vom Bikini, der am 5. Juli 1946 seine Geburtsstunde erlebte.
Antike Wandmalereien sowie Mosaike aus dem 4. Jahrhundert nach Christus dokumentieren die frühe Existenz der Zweiteiler. Junge Frauen tragen lediglich Höschen und Brustbänder, die dem heutigen Bikini ähneln. Ob es sich bei deren Bekleidung um Unterwäsche, Sport- oder Bademode handelt bleibt ungeklärt. Die eigentliche Geburtsstunde des Bikini schlägt erst im Jahr 1946.
Vier Dreiecke aus Stoff, mit dieser Bade-Kreation schickt der Modedesigner Louis Réard, der eigentlich gelernter Autoingenieur war, am 5. Juli 1946 das Revuegirl Micheline Bernadini über den Laufsteg einer Pariser Miss-Wahl. Bikini nennt sich der „Stofffetzen mit Schnüren“ und bezieht sich auf den ersten Atombombenversuch, den die Amerikaner nur vier Tage vorher auf dem Bikini-Atoll durchführten. Der Stoff dieses Pariser Ur-Exemplars ist mit Zeitungsausschnitten über den Bombenabwurf bedruckt.
Der brisante Name, der übersetzt „Land der Kokosnüsse“ bedeutet, schlägt ein wie eine Bombe. Die Wirkung, die dieser knapp geschnittene Badeanzug hervorruft, wurde mit der gleichen moralischen Entrüstung betrachtet wie die Atombombenversuche auf Bikini.
In den 50er Jahren gilt der Bikini als modische Entgleisung, er führt ein Schattendasein und die Damen zeigen sich mit züchtigem Einteiler. Der totgesagte Bikini erlebt aber in den 60er Jahren sein Comeback. Man erinnere sich nur an Ursula Andress, die den Bikini im James Bondfilm Dr. No populär werden lässt. Natürlich nicht überall, denn im bayrischen Passau heißt es noch 1968: „Das Tragen der so genannten Bikini-Badeanzüge im Schwimmbad ist verboten!“
Die Geschichte des Bikinis ist seit einem halben Jahrhundert ein ständiges Mehr oder Weniger von Stoff. Schließlich hat kaum ein anderes Bekleidungsstück die Menschen derart begeistert und zugleich so provoziert und empört.
Am 5. Jänner 1769 wurde eines der wichtigsten Patente in der Geschichte der Technik erteilt. Das englische Patent mit der Nr. 913 wurde James Watt ausgestellt. Ist er damit der Erfinder der Dampfmaschine?
Aus der Geschichte der modernen Welt nicht wegzudenken ist die Dampfmaschine. Sie war die technische Voraussetzung der Industriellen Revolution, indem sie Maschinen und Züge antrieb, also Produktion und Transport. 1785 wurde in Deutschland das erste Exemplar bei Hettstedt im Mansfelder Bergrevier südlich von Magdeburg in Betrieb genommen.
Die Erfindung der aus England stammenden Maschine wird gemeinhin dem Ingenieur James Watt zugeschrieben, der seit 1775 die Dampfmaschinenfabrik Boulton & Watt in der Nähe von Birmingham betrieb. Tatsächlich hatte Watt 1765 die erste direkt wirkende Niederdruck-Dampfmaschine entwickelt, also die erste effiziente Dampfmaschine, die er in der Folgezeit weiter verbesserte.
Aber Watt hatte die Maschine nicht erfunden. Seine Entwicklung basierte auf der atmosphärischen Dampfmaschine von Thomas Newcomen. Watt verbesserte sie, indem er einen vom Zylinder getrennten Kondensator einsetzte. Das Prinzip der Dampfmaschine hatte der französische Arzt und Naturforscher Denis Papin bereits 1690 entwickelt und sogar ein Musterexemplar gebaut. (Auf Papin geht übrigens auch der Papinsche Topf zurück, der bis heute als Dampfkochtopf in Millionen Haushalten Dienst tut.) Der Verdienst Watts bestand darin, die Maschine so effektiv zu machen, dass sie in Fabriken eingesetzt werden konnte und später auch Lokomotiven und Schiffe antrieb.
Am 20. und 21. Mai 1927 flog Charles Lindbergh in 33 ½ Stunden von New York nach Paris – eine Reise, die als erster Flug über den Atlantik gilt. Tatsächlich war Lindbergh zwar der erste, der ihn alleine unternahm. Aber ein Flug über den Atlantik war damals keineswegs mehr die Pionierleistung, als die sie überliefert ist.
Als Postpilot war Lindbergh ein ausgesprochener Flug-Profi. Als Geschäftsleute aus St. Louis einen Preis von 25.000 $ für den ersten Nonstop-Alleinflug über den Atlantik auslobten, wollten sie Lindbergh im Cockpit sehen. Lindbergh taufte sein Flugzeug „Spirit of St. Louis“ und bewies so jenen Sinn für PR, der seinen Auftraggebern gefiel und seinen Flug berühmt machen sollte.
Dabei war der erste Flug über den Ozean bereits im Mai 1919 unternommen worden – mit einem Wasserflugzeug, das den wenig attraktiven Namen „Lame Duck“ führte, und mit insgesamt sechs Zwischenlandungen. Im Cockpit übrigens: sechs Besatzungsmitglieder, darunter Charles Lindbergh.
Bereits einen Monat danach, im Juni, gelang den Engländern John Alcock und Arthur Whitton der erste Nonstop-Flug. Und wiederum einen Monat später, im Juli, überquerten nicht weniger als 31 Mann den Atlantik in einem Zeppelin, dem englischen Luftschiff R-34.
Alles in allem haben 66 Männer den Atlantik vor Charles Lindbergh überquert. Der Alleinflieger war der 67. – eine Tatsache, die der „PR-Profi“ freilich weniger in den Vordergrund stellte.
Das Fließband gilt als Sinnbild der industriellen Produktion, ja, es hat diese durch den damit verbundenen enormen Produktivitätsfortschritt überhaupt erst ermöglicht. Sein bahnbrechendes Prinzip beruht darauf, dass sich nicht der Arbeiter, sondern das Werkstück bewegt.
Dieses, so heißt es, habe Henry Ford erdacht, der 1903 in Detroit die Ford Motor Co. gegründet hatte. 1908 begann er mit der Herstellung des Modells „T“, das ein beispielloser Erfolg wurde: bis 1927 fanden 15 Millionen Exemplare einen Käufer.
Voraussetzung dafür war eine massenhafte Produktion, die Ford ermöglichte, indem er mit dem Fließband das Prinzip des bewegten Werkstücks zu ihrer Grundlage machte.
Allerdings: den Erfinderruhm dafür hat Ford zu Unrecht erhalten. Dieser gebührt seinem Konkurrenten Ransom E. Olds, der bereits 1899 eine Autofabrik gegründet hatte. Für die Produktion des drei PS starken „Oldsmobile“ verwendete man dort bereits 1902 Holzgestelle, auf denen die Autos von einer Fertigungsstation zur nächsten gezogen wurden.
Olds brachte es mit seiner Methode schon bald auf eine Jahresproduktion von 2.500 Fahrzeugen, die bis 1904 verdoppelt werden konnte. Das Oldsmobile, und nicht der Ford T, war mithin das erste kommerziell erfolgreiche Auto. Und Ford war nicht der erste, der seine Produktion industriell organisierte, nicht einmal der erste Automobilhersteller. Sein Verdienst besteht lediglich in der Verbesserung des von Olds erfundenen Prinzips: statt eines Holzgestells verwendete er ein Band zum Transport der unfertigen Autos.
